Glossar zur terminologie rund ums rohr

Die Herstellung von Präzisionsrohren ist ein komplexer, hochtechnischer Vorgang. Sollten Sie über einen Begriff stolpern, zu dem Sie eine genauere Erklärung brauchen, nutzen Sie dieses Glossar für Begriffe aus der Metallrohrherstellung.

Glühverfahren: Wärmebehandlung mit dem Ziel, das Material für die weitere Bearbeitung geschmeidiger zu machen oder um spezifische Materialeigenschaften zu erzielen. Eine gelungene Durchführung führt zu einer geringeren Härte und Zugfestigkeit als im anfänglichen Anlasszustand.

Blankglühen: Hat das Ziel, auf der Rohroberfläche eine farblose Oxidschicht ohne Zunderbildung zu erzeugen.

Blauglühen: Keine Schutzatmosphäre, formt eine Oxidschicht auf der Rohroberfläche.

Stab: Metallprodukt mit einem massiven Querschnitt

Ausspülen: Das Entfernen von Staub und Schmutz von der Rohrinnenseite mit Hilfe von Schaumstoffteilen.

Rohrabstrahlen: Vorgang, bei dem die Rohrinnenseiten mit Hilfe von abrasiven Medien abgestrahlt werden, um die Innenoberfläche zu bearbeiten.

Bohrstange: Stange, die gebohrt wurde, um ein Material zu erzeugen, das sich für die Rohrherstellung eignet.

Bogen: Siehe „Geradheit“.

Grat: Raue Kanten, die vom Schneiden oder von der Bearbeitung in der Maschine zurückbleiben. Grate – lose Metallpartikel, die beim Aufbrechen eines Grats einstehen. Der Begriff kann sich auch auf die Materialanhäufung am Ende einer Kerbe am Rohr beziehen.

Kalibriertes Rohr: Ein Rohr, das leicht kaltbearbeitet wurde, um eine Ovalität auszugleichen oder um Maße und Toleranzen zu verbessern.

Wölbung: Siehe „Randwölbung“.

Aufkohlen: Erhöhter Kohlenstoffgehalt im Vergleich zum ursprünglichen Anteil im Material. Der erhöhte Anteil wird durch metallographische oder chemische Analyse erzielt.

Mittellinienlunker: Bezeichnet in einem geschweißten Rohr die verringerte Dicke der Schweißnaht ungefähr in der Mitte der Naht.

Ratternarben: Ein oder mehrere umlaufende Ringe entlang der Länge des Rohres, die durch die Schwingungen der Ziehbank erzeugt werden. Diese machen sich durch sichtbare und hörbare Symptome bemerkbar.

Chemisches Fräsen: Vorgang, in dem die gewünschten Formen, Maße und Oberflächen durch das selektive Entfernen von Metall mit Hilfe von kontrollierter chemischer Auflösung, wie z. B. mit Flusssäure, erreicht werden. Bei Fine Tubes wird das Fräsen angewendet, um die Oberflächengüte zu verbessern, um mögliche Störstellen auf der Oberfläche zu reduzieren und um die gewünschte Größe/Toleranz zu erreichen, so z. B. beim Entfernen von 0,05 mm von der Oberfläche unserer Titanrohre für die Luftfahrttechnik.

Verschmutzung: Die Verringerung der Qualität der Oberflächen bzw. Unterschichten durch Anhaften oder Absorbieren von Fremdkörpern.

Korrosion: Angriff einer Oberfläche durch chemische und/oder elektrolytische Vorgänge.

Riss: Schmale Oberflächenzerklüftung, die sich bis in die Materialdicke erstreckt.

Querschnittsbereich: Der Schnittbereich eines Rohres, üblicherweise in Quadratmillimeter gemessen.

Entfetten: Reinigungsvorgang, bei dem ein Entfettungsmittel angewendet wird, um unerwünschte Schmiermittel und Verschmutzungen zu entfernen

Delle: Durch mechanische Einwirkungen oder Verengung verursachte örtliche Vertiefung, welche die Rohrmaße beeinflusst.

Verfärbung: Durch Oxide oder andere chemische Reaktionen verursachte Änderungen in der Oberflächenerscheinung.

Knick: Durch plötzliches Entspannen oder Anspannen verursachte doppelte Biegung am vorderen Ende des Rohres, die nach dem Einziehen oder Stopfenziehen auftritt.

Wirbelstromprüfung: Zerstörungsfreier Prüfvorgang, mit dem Außendurchmesser auf Risse und Grate geprüft werden.

Randwölbung: Abweichung einer Bandlänge von der geraden Kante über eine bestimmte gemessene Länge.

Elektrochemisches Schneiden: Schneidevorgang, bei dem elektrische Funkenerosion und Trennschleifmethoden angewendet werden.

Flachmaterial: Kleine Veränderungen in der Oberflächenkontur des Rohrumfangs erzeugen eine facettenreiche Erscheinung.

Plattheit: Band mit flachen Stellen, die von einer geraden Kante über die gesamte Bandbreite abweichen.

Wärmebehandlung: Allgemeiner Begriff für Prozesse, die Ofenanwendungen, wie zum Beispiel Glühen, Härten und Anlassglühen, einschließen.

Hohlkörper: Nahtloses Rohmaterial, das für die Rohrherstellung bereitgestellt wird. Es kann entweder stranggepresst oder ein verengtes Rohr sein.

Überlappung: Falz oder überlappende Materialschicht, die sich während des Strangpressens, der Rohrverengung oder des Ziehvorgangs bilden kann.

Orangenschaleneffekt: Oberflächenerscheinungsbild, das durch das Dehnen grobkörnigen Metalls während des Umformens entsteht (Ziehen, Biegen usw.). Dies wurde in 304 Teilen beobachtet, die einer deutlichen Reduktion der Einziehraten ausgesetzt waren.

Oxid: Chemische Verbindung von Sauerstoff mit dem Grundwerkstoff. Ist unter normalen atmosphärischen Bedingungen immer auf der Rohroberfläche vorhanden. Kann unsichtbar bis opak mit verschiedenen Farbvarianten erscheinen und wird manchmal als Trübung bezeichnet.

Passivieren: Vorgang, bei dem das Material in eine Salpetersäurelösung getaucht wird, um eine „passive“ Oberfläche zu erhalten, die das Oxidations- und Rostrisiko reduziert.

Anlegierung; Einzelne oder mehrere Riefen bzw. Lochfraß während der Rohrbearbeitung aufgrund von Reibung oder Aufschlag zwischen Rohr und Werkzeug. Je nach Vorgang kann die sich bildende Spur durchgehend, gerade mit Unterbrechungen oder spiralförmig sein.

  • Matrize und Stopfen Gerade durchgehende Anlegierung
  • Mehrere Walzen Gerade durchgehende Anlegierung
  • Schweißmühlenrollen Gerade und mit Unterbrechungen
  • Rohrverengungswerkzeug Spiralförmig
  • Schrägwalzenabstreifer Spiralförmig und mit Unterbrechungen
  • Richtmaschine  Spiralförmig und mit Unterbrechungen (aber das Gegenteil der Spuren vom Schrägwalzenabstreifer)

Loch:  Örtlicher Oberflächendefekt, der einzeln oder gehäuft auftreten kann und in seiner Form oder im Querschnitt ungefähr halbkugelförmig erscheint. Er kann durch chemische Einflüsse oder durch Eindrücke von Rollen und Ähnlichem verursacht werden.

Pilgern: Pilgern ist ein längsverlaufender Kaltwalzvorgang, der den Durchmesser und die Wanddicke eines Metallrohres in einem Schritt reduziert. Je nach Material kann beim Kaltwalzen in einem einzigen Schritt der Querschnitt eines Rohres um mehr als 90 Prozent reduziert werden.

Kunststoffabdruck: Abdrücke in beliebigen Größen, Formen und Abständen oder Spuren, die durch breite Punkte oder Bahnen aus hartem Kunststoff beim Ziehen in die Rohroberfläche gepresst werden. Der Eindruck hat oft keine messbare Tiefe, ist jedoch der äußeren Erscheinung des Rohres abträglich.

Über Stopfen ziehen: Ziehvorgang, bei dem ein gehärtetes Werkzeug, Stopfen genannt, verwendet wird, um den Innendurchmesser eines Rohres zu steuern.

Polieren: Aufbereitungsvorgang, bei dem die Außenseite eines Rohres durch Abreiben an Schleifbändern verbessert wird.

Arbeitsvorschrift: Spezifikationen mit detaillierten Regeln für einen bestimmten Arbeitsvorgang.

Welligkeit: Wellen entlang der Rohrlänge, in der Regel in Spiralform. Diese Wellen können entweder nur optisch erkennbar sein oder sich durch messbare Maßunterschiede und Härteeigenschaften auszeichnen. Sie werden durch Schrägwalzenabstreifen beim Ausrichten verursacht, wenn ein unzulässig hoher Druck ausgeübt wird.

Zunder: Oxidschicht, die dicker ist als der oberflächliche Film, der als Trübung bezeichnet wird. Bei seiner ursprünglichen Bildung bleibt der Zunder zwar an der Rohroberfläche haften, kann aber durch die anschließende Verarbeitung abgesprengt werden, was zu Oberflächenschäden führt.

Kerbe: Einschnitt oder tiefer Kratzer, dessen Länge seine Breite übertrifft. Wird durch Schneidevorgänge von anderen Komponenten verursacht.

Naht: Schweißzone an einem Rohr.

Nahtloses Rohr: Wird hergestellt durch Durchstechen, Durchbohren oder Strangpressen eines massiven Metallteils, sodass an keiner Stelle des Querschnitts eine Naht besteht.

Weichglühen: Allgemeine Verringerung der Härte und Zugfestigkeit durch Wärmebehandlung unter bestimmten Temperaturen und Bedingungen. Der Begriff hat ein breiteres Anwendungsgebiet als der Begriff Glühen.

Spalt: Ähnelt einem Riss. Wird normalerweise durch mechanische Einwirkungen, wie zum Beispiel Abflachung, Bindung oder Druckprüfung verursacht, welche die Festigkeit des Materials übersteigen.

Geradheit: Das Verhältnis zwischen der Längsachse des Rohres und der zulässigen Abweichung von einer geraden Kante über eine bestimmte gemessene Länge. Wird auch „Bogen“ genannt.

Oberflächenstruktur: Kleine Schwankungen in der Oberflächentopographie, die beim Ziehen, Polieren und anderen Vorgängen entstehen können. Die Oberfläche wird durch elektronische Instrumente und eine visuelle Vergleichseinrichtung gemessen. Elektronische Messungen werden in Mikrometern bzw. Mikrozoll (Ra bzw. CLA) festgehalten. Wird auch „Oberflächenrauheit“ genannt.

Anlassglühen: Beschreibt Metallbearbeitungsverfahren, wie z. B. Glühen oder Kaltbearbeitung. Es ist außerdem eine spezifische Form der Wärmebehandlung, die nach dem Härten angewendet wird.

Rohr: Hohlprodukt mit rundem oder anders geformten Querschnitt, das eine durchgehende Außenseite hat.

Tramlines: Form der Anlegierung, bei der sich zwei oder mehr parallele Linien auf der Rohroberfläche bilden.

Ultraschallprüfung: Nutzung von Hochfrequenzschallwellen zur Untersuchung und Messung. Die Ultraschallprüfung kann genutzt werden, um Defekte zu entdecken und zu evaluieren, Maße zu prüfen, Materialien zu charakterisieren usw.

Unterschneiden: Geschweißtes Rohr, bei dem die Dicke der Schweißnaht geringer ist als die des Grundwerkstoffs. Wird oft auf Ausrichtungsfehler der geformten Bänderkanten beim Nahtschweißen zurückgeführt.

Bearbeitungsspuren: Oberflächliche Spur, die nur in bestimmtem Licht sichtbar ist, aber keine messbare Tiefe aufweist.

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